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Absicherung

Welche Versicherungen brauchst du wirklich?

Ein Böse ehrlicher Überblick: was jeder haben sollte, was Geld verbrennt und was du getrost kündigen kannst

📖 7 Min Lesezeit 📅 16. Mai 2026 Julian Böse

Die meisten Menschen haben zu viele Versicherungen, die falschen, und trotzdem die eine wirklich wichtige nicht. Das ist kein Einzelfall. Das ist System.

Versicherungsvertreter werden für Vertragsabschlüsse bezahlt. Was für dich optimal ist und was für den Vertreter optimal ist, muss nicht dasselbe sein. Dieser Artikel ist mein Versuch, das gerade zu rücken.

Private Haftpflicht: nicht verhandelbar

Diese Versicherung ist nicht optional. Wenn du versehentlich jemanden verletzt oder fremdes Eigentum beschädigst, haftest du persönlich. Mit deinem gesamten Vermögen. Auf Lebenszeit. Das Bürgerliche Gesetzbuch kennt keine Haftungsobergrenze für Fahrlässigkeit.

Kein anderes Produkt schützt dich für so wenig Geld vor so katastrophalem Schaden. Zwischen 5 und 15 Euro im Monat, Deckungssumme mindestens 10 Millionen Euro. Wer keine private Haftpflicht hat, sitzt ohne Sicherheitsnetz auf einem Vulkan.

Empfehlung

Mindestens 10 Millionen Euro Deckungssumme. Prüfe ob dein Vertrag auch Mietsachschäden (wichtig für Mieter), Schlüsselverlust und Gefälligkeitsschäden abdeckt.

Berufsunfähigkeit: die wichtigste die die meisten nicht haben

Jeder vierte Arbeitnehmer in Deutschland wird vor dem Rentenalter berufsunfähig. Die häufigsten Ursachen sind keine Unfälle, sondern psychische Erkrankungen (rund 30%), Erkrankungen des Bewegungsapparats (20%) und Krebs (17%).

Die gesetzliche Erwerbsminderungsrente beträgt im Schnitt rund 920 Euro monatlich. Wer auf 3.000, 4.000 oder 5.000 Euro Netto gewöhnt ist, kann mit 920 Euro keine laufenden Fixkosten decken. Nicht Miete, nicht Kredit, nicht Lebensunterhalt.

Der zweite entscheidende Punkt: Je jünger du bist wenn du die BU abschließt, desto günstiger und desto leichter bekommst du sie. Wer erst mit 45 anfängt, zahlt oft ein Vielfaches und bekommt manchmal gar keinen Vertrag mehr wegen Vorerkrankungen.

Alter bei AbschlussMonatliche Prämie (Beispiel)Problem
25 Jahreca. 50 bis 80 EuroKeines
35 Jahreca. 90 bis 130 EuroVorerkrankungen prüfen
45 Jahreca. 180 bis 280 EuroOft Ausschlüsse oder Ablehnung

GKV oder PKV: die ehrliche Entscheidungshilfe

Diese Entscheidung hat keine universell richtige Antwort. Sie hängt von deiner persönlichen Situation ab. Aber es gibt klare Kriterien.

GKV passt tendenziell wenn:

Du Kinder hast oder planst (beitragsfrei mitversichert). Du ein variables Einkommen hast oder planst, selbstständig zu werden. Du Wert auf langfristige Beitragsstabilität legst und nicht jonglieren willst.

PKV passt tendenziell wenn:

Du gesund bist, gut verdienst (Jahresbruttogehalt über der Versicherungspflichtgrenze 2026: 69.300 Euro), single lebst und bessere Leistungen sowie schnellere Arzttermine willst. Aber: Ein Wechsel zurück zur GKV ist extrem schwierig. Diese Entscheidung sollte nicht impulsiv getroffen werden.

Sachversicherungen: Hausrat und KFZ

Hausrat macht Sinn wenn du zur Miete wohnst und einen normalen Hausstand hast. Einbruch, Feuer, Leitungswasser. Ab rund 8 Euro monatlich. Prüfe ob dein Vertrag auch Reisegepäck abdeckt, dann brauchst du keine separate Reisegepäckversicherung.

Vollkasko KFZ ist bei Neuwagen oder teuren Gebrauchtwagen sinnvoll. Als grobe Faustregel: Wenn dein Auto unter 6.000 bis 8.000 Euro Marktwert hat, ist Vollkasko wirtschaftlich fragwürdig. Haftpflicht ist Pflicht, darüber gibt es keine Diskussion.

Premium-Versicherungen: situationsabhängig

Rechtsschutz macht besonders Sinn wenn du Vermieter bist, Selbstständiger oder in einem Bereich arbeitest wo Streitigkeiten mit Arbeitgebern, Behörden oder Mietern realistisch sind. Ab rund 15 Euro monatlich. Streitigkeiten können schnell fünfstellig werden.

Unfallversicherung ist relevant wenn deine BU psychische Erkrankungen ausschließt oder du körperlich arbeitest. Wer eine gute BU hat die alle Ursachen abdeckt, braucht Unfall oft nicht zusätzlich.

Berufs- oder Betriebshaftpflicht für Selbstständige: Pflicht, keine Frage.

Was du getrost kündigen kannst

Handyversicherung: Die kumulierten Prämien übersteigen oft die Reparaturkosten. Selten wirtschaftlich.

Reisegepäckversicherung: Wenn deine Hausrat Reisegepäck mitversichert (prüfen!), brauchst du sie nicht doppelt.

Sterbegeldversicherung: Bestattungskosten lassen sich mit einem kleinen Sparplan decken. Prämien sind oft unverhältnismäßig zur Leistung.

Restschuldversicherung: Wird häufig beim Kreditabschluss ungefragt eingebaut und ist notorisch überteuert. Immer kritisch prüfen, immer separat verhandeln.

Die Verbraucherschutz-Perspektive

Die Verbraucherzentralen empfehlen seit Jahren, Versicherungsberatung von provisionsunabhängigen Beratern in Anspruch zu nehmen. Als Versicherungsmakler nach §34d GewO bin ich rechtlich nach §93 HGB verpflichtet, ausschließlich in deinem Interesse zu handeln.

Das bedeutet konkret: Ich darf dir sagen, dass du einen Vertrag kündigen sollst. Oder dass du zu viel zahlst. Oder dass du etwas gar nicht brauchst. Ein gebundener Vertreter kann das strukturell nicht, weil seine Vergütung am Abschluss hängt.

Wenn du deine aktuellen Verträge einmal ehrlich durchleuchten lassen willst, ohne Verkaufsgespräch und ohne Verpflichtung, ist das genau das was ich im Konzeptgespräch mache.

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